Infinitiv mit zu

Was ist der Infinitiv mit zu?

Im Deutschen verlangen viele Verben und Ausdrücke ein zweites Verb im Infinitiv mit zu. Der Infinitiv mit "zu" steht immer am Ende des Satzes.

  • Ich versuche, pünktlich zu kommen.
  • Es ist wichtig, Deutsch zu lernen.

Das zu steht direkt vor dem Infinitiv am Ende der Satzkonstruktion.

Grundbildung

Der Infinitivsatz mit "zu" folgt einem einfachen Muster: zu steht direkt vor dem Infinitivverb am Ende.

  • Ich hoffe, bald eine Arbeit zu finden.
  • Er versucht, jeden Tag Sport zu machen.
  • Sie hat vor, nächstes Jahr nach Deutschland zu ziehen.

Wenn mehrere Wörter im Infinitivsatz stehen, kommt zu + Infinitiv immer am Schluss:

  • Ich versuche, das Buch bis morgen zu lesen.
  • Er plant, im Sommer eine Reise zu machen.

Trennbare Verben: Wohin kommt "zu"?

Bei trennbaren Verben wird zu zwischen die Vorsilbe und den Verbstamm gesetzt. Es wird als ein Wort geschrieben:

Trennbares Verb Infinitiv mit zu
anfangen anzufangen
aufhören aufzuhören
mitmachen mitzumachen
mitbringen mitzubringen
einkaufen einzukaufen
anrufen anzurufen
aufstehen aufzustehen
vorbereiten vorzubereiten
zurückkommen zurückzukommen

Beispiele:

  • Es ist schwer, so früh aufzustehen.
  • Ich habe vergessen, dich anzurufen.
  • Er hat vor, morgen einzukaufen.
  • Vergiss nicht, deinen Ausweis mitzubringen!

Verben, die "zu" + Infinitiv verlangen

Viele häufige Verben brauchen einen Infinitivsatz mit "zu":

Verb Beispiel
versuchen Ich versuche, ruhig zu bleiben.
anfangen Es fängt an zu regnen.
aufhören Er hört auf zu rauchen.
vorhaben Wir haben vor, umzuziehen.
vergessen Ich habe vergessen, zu antworten.
hoffen Sie hofft, die Prüfung zu bestehen.
planen Wir planen, ein Haus zu kaufen.
beginnen Er beginnt, Deutsch zu lernen.
bitten Ich bitte dich, leise zu sein.
empfehlen Ich empfehle, früh zu buchen.
erlauben Der Arzt erlaubt mir, Sport zu machen.
verbieten Er verbietet ihr, allein zu gehen.
scheinen Er scheint, müde zu sein.
brauchen Du brauchst nicht zu kommen.

Weitere Beispiele:

  • Wir versuchen, pünktlich zu sein.
  • Ich habe vor, nächste Woche nach Wien zu fahren.
  • Hör auf, so laut Musik zu hören!
  • Er hat vergessen, die Tür abzuschließen.

Verben OHNE "zu"

Einige Verben stehen mit einem Infinitiv ohne "zu". Das ist wichtig, um "zu" nicht dort einzusetzen, wo es nicht hingehört:

Modalverben (können, müssen, wollen, sollen, dürfen, mögen)

  • Ich kann Deutsch sprechen.
  • Du musst jetzt gehen.
  • Wir wollen ins Kino gehen.

lassen, sehen, hören, gehen, bleiben

  • Ich lasse mein Auto reparieren.
  • Ich sehe die Kinder spielen.
  • Ich höre die Vögel singen.
  • Wir gehen heute Abend essen.
  • Er bleibt heute zu Hause sitzen.

Wichtig: Kein "zu" nach diesen Verben!

  • Ich kann zu sprechen. (falsch)
  • Ich kann sprechen. (richtig)
  • Wir gehen zu essen. (falsch)
  • Wir gehen essen. (richtig)

Konstruktionen mit "es"

Viele unpersönliche Ausdrücke mit es verlangen den Infinitiv mit "zu":

Ausdruck Beispiel
Es ist wichtig Es ist wichtig, viel zu trinken.
Es ist schwer Es ist schwer, eine Wohnung zu finden.
Es ist leicht Es ist leicht, das zu verstehen.
Es ist möglich Es ist möglich, den Termin zu verschieben.
Es ist nötig Es ist nötig, den Vertrag zu unterschreiben.
Es macht Spaß Es macht Spaß, Deutsch zu lernen.
Es lohnt sich Es lohnt sich, das Museum zu besuchen.
Es ist verboten Es ist verboten, hier zu rauchen.

Weitere Beispiele:

  • Es ist toll, so viele Freunde zu haben.
  • Es ist nicht einfach, in einer Fremdsprache zu schreiben.
  • Es hat keinen Sinn, sich darüber zu ärgern.

um ... zu (Zweck/Absicht)

Die Konstruktion um ... zu drückt einen Zweck aus — warum jemand etwas tut:

  • Ich lerne Deutsch, um in Deutschland zu arbeiten.
  • Er spart Geld, um ein Auto zu kaufen.
  • Sie geht ins Fitnessstudio, um fit zu bleiben.
  • Wir stehen früh auf, um den Zug zu erreichen.

Hinweis: Das Subjekt beider Satzteile muss dieselbe Person sein. Bei verschiedenen Subjekten verwendet man damit + Nebensatz:

  • Ich lerne Deutsch, damit meine Kinder stolz auf mich sind.

ohne ... zu (ohne etwas zu tun)

Die Konstruktion ohne ... zu drückt aus, dass etwas ohne eine bestimmte Handlung geschieht:

  • Er ging weg, ohne etwas zu sagen.
  • Sie hat die Prüfung bestanden, ohne viel zu lernen.
  • Wir können nicht helfen, ohne die Situation zu kennen.
  • Er hat das Haus gekauft, ohne es vorher zu besichtigen.

anstatt / statt ... zu (anstatt etwas zu tun)

Die Konstruktion (an)statt ... zu drückt eine Alternative aus — was jemand anstelle von etwas anderem tut:

  • Anstatt fernzusehen, solltest du lieber ein Buch lesen.
  • Er ging spazieren, statt zu arbeiten.
  • Statt sich zu beschweren, sollte man eine Lösung suchen.
  • Sie hat angerufen, anstatt eine E-Mail zu schreiben.

Typische Fehler

  • Ich versuche zu kommen pünktlich. (falsch — zu + Infinitiv muss am Ende stehen)
  • Ich versuche, pünktlich zu kommen. (richtig)

  • Ich habe vergessen anrufen zu dich. (falsch — bei trennbaren Verben steht zu zwischen Vorsilbe und Stamm)

  • Ich habe vergessen, dich anzurufen. (richtig)

  • Ich kann zu schwimmen. (falsch — kein "zu" nach Modalverben)

  • Ich kann schwimmen. (richtig)

  • Er geht zu einkaufen. (falsch — kein "zu" nach "gehen")

  • Er geht einkaufen. (richtig)

  • Um ich lerne Deutsch, zu arbeiten in Deutschland. (falsch — falsche Wortstellung)

  • Ich lerne Deutsch, um in Deutschland zu arbeiten. (richtig)

  • Er ging weg, ohne zu sagen etwas. (falsch — "etwas" kommt vor "zu sagen")

  • Er ging weg, ohne etwas zu sagen. (richtig)

Übung für die TELC B1 Prüfung

Der Infinitiv mit "zu" ist ein wichtiges Grammatikthema auf B1-Niveau:

  • Sprachbausteine — Lückentexte testen häufig, ob Sie "zu" richtig einsetzen (oder weglassen) können
  • Schriftlicher Ausdruck — verwenden Sie "um ... zu" und "ohne ... zu" für komplexere Sätze in Briefen
  • Leseverstehen — Zwecksätze und Infinitivkonstruktionen in Texten verstehen
  • Mündlicher Ausdruck — Ziele, Pläne und Absichten natürlich ausdrücken (z.B. Ich habe vor, ... / Ich versuche, ...)

Achten Sie besonders auf die Position von "zu" bei trennbaren Verben und merken Sie sich, welche Verben KEIN "zu" brauchen!


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